ico_youare10g.gif ZEITUNGTUN & LASSEN
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"Jetzt höre ich nichts mehr"

Jürgen und Dominik: Einsatzbereit, jobgelaunt und dennoch vom AMS abgeschrieben?

In bestimmten Situationen ist es sicher bedeutend angenehmer, nichts zu hören. Gefährlich wird es nur dann, wenn das Arbeitsmarktservice leibhaftig vor einem steht. Da muss sich dann sogar ein gehörloser Mann gewaltig anstrengen, um die Herrscher über Jobs und finanzielle Möglichkeiten erfolgreich auszublenden.

Etikett Grundsicherung

Eing´SCHENKt

Grundeinkommen, Basislohn, bedarfsorientierte Grundsicherung, Sozialhilfereform; was verbirgt sich hinter diesen Begriffen? Grob gesagt vier Modelle:

Punks, Symptom einer schizoiden Welt

Nichts tun darf man selbst am schönsten Platz der Stadt

Punks, soziologisch & sympathisierend von außen betrachtet, und Punks im O-Ton: Im Folgenden eine Kombination der beiden Darstellungsweisen der buntesten Außenseiter der Gesellschaft. Zu Beginn Punks aus wissenschaftlicher Sicht: Mit dem Buch "Bürgerschreck Punk. Lebenswelten einer unerwünschten Randgruppe" liegt ein Musterbeispiel vor, wie Zusammenhänge und Spaltungsmechanismen im Gesellschaftsgefüge durchschaut und dem Lesepublikum nahe gebracht werden können. Danach, im Kasten, ein Stück punkiger Selbstdarstellung.

Die Fassade stimmt

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Vor einem Jahr brannten Autos in Paris. September 2005. Schon vergessen. Jugendliche zertrümmern Straßenlaternen, dringen in Schulen ein und liefern sich Straßenkämpfe mit der Polizei. Wir schreiben den September 1911. Auch vergessen. In den Wiener Vorstädten Hernals und Ottakring brennen Feuer vor den Schulen, die von aus den Klassenzimmern geworfenen Katalogen, Büchern und Heften genährt werden.

Eine Wohnung ist kein Apfel

Mieterhöhungen und ihre gesamtwirtschaftlichen Konsequenzen

Haben sie eine Eigentumswohnung? Gratuliere! Feine Sache, quasi eine bewohnbare Sparbüchse. Das investierte Geld zum Ankauf oder zur Renovierung wird zu sicherem Vermögen. Jedenfalls brauchen sie keine Miete in den Kamin zu schreiben, keine Angst vor Kündigung oder Mieterhöhung zu haben und können bei Renovierungen mitreden oder selbst entscheiden. Wer hätte da nicht lieber eine Eigentumswohnung oder gar ein eigenes Haus?
TUN & LASSEN - Dieter Gstach - 15.10.2006 mehr lesen »

Back to the Lovara-Roots

"Was wolltet ihr immer schon über die Roma wissen?", fragt Gilda Horvath keck

Neben den Burgenland-Roma bilden die ursprünglich aus Ungarn stammenden Lovara die österreichische Volksgruppe der Roma. Die Gesamtzahl der in Österreich lebenden Roma ist wahrscheinlich zehnmal größer. Als Dunkelziffer wird 45.000 kolportiert. Roma aus Ex-Jugoslawien bilden die Mehrzahl. Die Mitglieder der Familie Stojka zählen zu den international bekannten VIPs der Wiener Lovara. Vielleicht ist übermorgen ein anderer Lovara-Name, der gleichermaßen für Poesie und für den Kampf gegen Antiziganismus stehen wird, in aller Munde: Gilda-Nancy Horvath ...

Vom Leben vor dem Tod

"Die Politiker reden sich andauernd auf Sachzwänge aus ...?"

„Bedingungslos, universell, personenbezogen und existenzsichernd“ sollte das Grundeinkommen sein. Darauf können sich verschiedene Gruppen, die am „Runden Tisch Grundeinkommen“ zusammenarbeiten, einigen. Aber bedeutet „universell“: für alle, die hier leben?

"Kavaliersdelikt" Folter

Augustin beobachtet die Justiz (3): Die WEGA. Ein Gespräch mit Bakarys Rechtsanwalt

Der Richter im Bakary-Prozess habe die wahre Dimension dieses Falles nicht wirklich gesehen, meint Bakary-Anwalt Josef Philip Bischof im Augustin-Gespräch. Mit "ein bisserl Frustabladen" der Beamten sei gar nichts erklärt. Bischof: "Stellen Sie sich vor, jeder, der ein bisserl frustriert ist, verschafft sich Luft mit Folter - "Na dann gute Nacht!" Wäre ich Richter in diesem Verfahren gewesen, hätte der Verhandlungsverlauf anders ausgesehen.

"Wird halt eine Epidemie ausgebrochen sein"

Erschütternde Dokumente der Kindereuthanasie am Spiegelgrund

Das Zitat im Titel stammt von Heinrich Gross, dem Todesarzt der NS-Kindereuthanasieanstalt am Spiegelgrund. Es war die Antwort des 2005 verstorbenen Experten für „unwertes Leben“ auf die Frage eines Kurier-Journalisten, ob ihm nicht aufgefallen sei, dass so viele Kinder unter seiner „Betreuung“ an „Lungenentzündung“ gestorben seien. Die „Lungenentzündungs“-Lüge war der Endpunkt einer Täuschungskette, an dessen Beginn die „Schlechtmeldungen“ an die Eltern der gequälten Kinder standen. Eine Dokumentation hunderter Krankengeschichten, von Waltraud Häupl im mühsamer Arbeit recherchiert, lässt den Fakt, dass Gross bis 1997 der Star-Gerichtsgutachter Österreichs war, posthum doppelt abscheulich erscheinen.

Mit dem Arsch durch die Wand

Über geheime Überlebensstrategien in der weiblichen Kunstszene

„Schön sei´s nicht gewesen, aber die Entlohnung hätte gestimmt und überhaupt "–Augen zu und durch", –man müsse dankbar für jede sich bietende Überlebenshilfe sein“, spricht sie und meint es auch so, wenn sie über einen ihrer „Nebenjobs“ erzählt. Nathalie P. übt sozusagen einen Doppelberuf aus. Sie ist lebendiges Kreativitätsbündel, begabte Bildhauerin auf der einen und eine mehr oder weniger lustvolle geheime Liebesdienerin auf der anderen, wie sie immer sagt, „schambesetzten“ Seite. Von ihrer Kunst kann sie nicht leben, aber sie bringt ihr Kraft, Freude und ein erfülltes Leben.
TUN & LASSEN - Anna Neruda - 15.09.2006 mehr lesen »

Die Hand ist ausgerutscht

Augustin beobachtet die Justiz (2): Das Unternehmen der WEGA

Justizbeobachtung im Sensationsprozess gegen vier Beamte der Wiener Einsatz-GruppeAlarmabteilung. Sie haben, wie jetzt aktenkundig ist, den Schwarzafrikaner Jassey Bakary beim Zurückbringen von einem gescheiterten Abschiebeauftrag stundenlang der schweren Folter ausgesetzt. Bei ZARA werden im Beobachtungszeitraum von zwei Jahren weit mehr als hundert mutmaßlich rassistische Übergriffe gemeldet. Viele lassen sich nicht konsequent verfolgen. In dieser Hinsicht hat der Fall Bakary Seltenheitswert.

Vertraute der Hexen

Alles über eine Schwarze Katze, die zur Figur der Zivilcourage wurde

Wem die Schwarze Katze über den Weg läuft, der oder die muss drei Steine über die Katzenspur werfen. Oder auf einen Stein spucken. Sonst bringt das Unglück. Es wird Zeit, die Schwarze Katze vorzustellen. Die allgemeine Schwarze Katze und jene konkrete, die am Freitag, den Dreizehnten aktiv wird, die von der Augustin-Illustratorin Carla Müller sichtbar gemacht wurde und die auf mittlerweile tausenden T-Shirts durch das Land getragen wird.

„Kein Bettler nimmt uns etwas weg“

Editorial

Was ist der Unterschied zwischen einer als seriös geltenden Tageszeitung und eines täglich mit vielfach größerer Auflage erscheinenden Revolverblatts? Die Distanz bzw. Nähe zum Superlativ. „Ruf nach Bettelverbot wird laut“, titelt das Großformat „Die Presse“. „Ruf nach Bettelverbot wird lauter“, informiert das Kleinformat „Kronenzeitung“. Die vornehme Zurückhaltung der ersteren Version widerspiegelt die Beherrschtheit des Bildungsbürgertums, aber vielleicht täusche ich mich und die Steigerung von „laut“ zu „lauter“ gibt eine reale Eskalaton wieder, liegen doch zwischen dem „Presse“- (11. Juli 06) und dem „Krone“-Titel (16. Juli 06) immerhin fünf Tage.


Die Briefe des "Deutschen"

Briefe an den Vater

Nach langer Zeit gehe ich wieder in ein Konzert. Es spielt eine bulgarische Jazzgruppe. Ich tanze. Anschließend wird Balkan-Musik aus der Dose gespielt. Gegen 5 Uhr verlasse ich das Lokal. Über den Schwarzenbergplatz und den Ring komme ich gegenüber der Oper an. Es hat viel geregnet. Über das nasse Grün gehe ich weiter. Eine Bratwurst bestelle ich. Bei diesem Würstelstand wird auch Pizza und Kebap verkauft. Die beiden in der Würschtelbude sind aus meiner Stadt. Wir plaudern ein bisschen. Sie sind seit zwei Jahren in Österreich.

Wem gehört der öffentliche Raum?

Die Jagd auf den Zettelpoeten Seethaler wirft eine Frage auf

Wie nennt man in der Sprache Brechts eine Justiz, die Helmuth Seethalers Zettelgedichte sowohl als öffentliches Ärgernis als auch als Verkehrssicherheitsstörung verfolgt und die Aufdringlichkeit der kommerziellen Rolling Boards für stadtgemäß hält?
TUN & LASSEN - Alfons Huber - 15.08.2006 mehr lesen »

Serengeti für null Cents

Anton Klein, Ex-Kieberer und Lobaumuseumsdirektor, mag Gelsen eigentlich

Was hat die alte Vervielfältigungsmaschine, in den siebziger Jahren um 4.000 Schilling gekauft, mit der Lobau zu tun? Und der Film "Serengeti darf nicht sterben"? Und die geschlagenen Hussiten? Und der verschollene Hundsfisch? Und der begnadigte "Wilde"? Und die "Franzosenkugeln", die entweder für Franzosen gedacht waren oder von Franzosen verschossen wurden? Und der brasilianische Bischof und Befreiungstheologe Kräutler? Und der Plakatspruch "Krumm ist gottgewollt, Gerades Teufelswerk?" Und der Qualtinger?

Großstadtinseln für "Könige"

Europas jüngste Straßenzeitung:Augustin Besuch im subkulturellen Ljubljana

So schön kann Sommer sein: In Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens, tanzen die Punks in der „Metelkova mesto“. KünstlerInnen und antirassistische Aktivisten besetzten eine riesige, alte Fahrradfabrik und die Verkäufer der neuen Straßenzeitung „Kralji ulice“ verfügen über wirklich viel Auslauf, um sich zu amüsieren.

Eine Ministerin sorgt für Liebeskummer

Binationale Ehepaare

Mit dem neuen Fremdenrecht finden nicht nur Asylverfahren ausschließlich in der Schubhaft statt, auch so genannte "binationale Ehen" werden kriminalisiert. Rund 160 betroffene Paare haben sich in der Initiative "Ehe ohne Grenzen" zusammengeschlossen und fordern seit Februar in wöchentlichen Kundgebungen einen Gesprächstermin mit der Ministerin sowie eine Rücknahme des Fremdenpakets. Mitte Juni bekamen sie dank zunehmender Öffentlichkeit ein "unmoralisches Angebot".

Eine Bagatelle

Eing`SCHENKt

Die eine Meldung: Leute aus dem Armutsnetzwerk der Slowakei berichten von den steigenden Lebenshaltungskosten in ihren Ländern, die viele ins soziale Out treiben. In der Slowakei wurde die Sozialhilfe massiv gekürzt und die Umsatzsteuer erhöht, übrigens gleichzeitig mit der Entlastung für Reiche durch die Einführung der „Flat Tax“.

Othello vor dem Richter

Augustin wirft Augen auf die Justiz

Der Angeklagte ist jung, sympathisch, fesch, kräftig und schwarz. Drei Polizisten bringen ihn in den Gerichtssaal, nehmen ihm die Handschellen ab und verteilen sich im Raum. Gäbe es einen Theatervorhang, so würde er jetzt aufgehen und man wäre von der Klischeehaftigkeit der Inszenierung erschlagen.
TUN & LASSEN - Heinz Blaha - 15.06.2006 mehr lesen »

Frau Hainisch im Gesperre

Für die k. und k. Kerkermeisterin war "Fürsorge" suspekt

Als Sozialarbeiterinnen noch Fürsorgerinnen hießen, betreute Cornelia Hainisch 300 gefangene Frauen, darunter 40 Mörderinnen. Für den Augustin erinnerte sie sich an die Frauenstrafanstalt Maria Lankowitz, die Vorgängerin des Frauengefängnisses Schwarzau.

Besuch bei einer Begleitagentur

Reife Damen aus der Wiener Gesellschaft

Angefangen hat alles mit einem kurzen Artikel vom „Psychozottel“ mit dem Titel „"Was sich Patienten wünschen"“ in der Literaturwerkstatt des Augustin. Der Autor beklagte darin, dass die Dienste von Prostituierten am häufigsten von Ärzten, Juristen und Künstlern in Anspruch genommen würden, während sich Psychiatriebetroffene, Menschen mit Behinderungen oder Obdachlose diese Dienste häufig nicht leisten könnten. Um dieser Ungerechtigkeit Abhilfe zu schaffen, schlägt er die Einführung EU-geförderter Sozialprostituierter vor.

Die Geschichte deines Überlebens

Briefe an den Vater

Hallo Vater!
Wie geht es dir? Ich hoffe, gut. Ich bin immer noch in Wien. Gestern war ich im Café Leopold. Ich stand an der Bar. Eine Touristengruppe von fünfzehn Leuten stürmte herein. Das Lokal war voll. Nachdem die Touristen weggegangen waren, schrie eine Frau durchs ganze Lokal; „Wie geht es dem Vater?“ Ich verstand sie nicht. Sie schrie noch lauter: „Wie geht’s dem Vater?“ Darauf antwortete ich: „Gut.“ Sie hatte unsere Geschichte in einer Zeitschrift gelesen. Mir ging es in diesem Moment nicht so gut, dass ich mich drauf gefreut hätte.

Kunsthaft und Strafkultur

Warum überall Seelsorger im Häfen und (fast) nirgends RegisseurInnen?

Date your Destiny. Theaterprojekt mit Insassen der Justizanstalt Gerasdorf. Konzept und Regie: Tina Leisch. Text: Alma Hadzibeganovic. Choreografie: Zoran Bogdanovic. WIR_HIER, Frauenkunst unter Strafe. Kunstprojekt – Theater, Film, Hörbuch, T-Shirts, Coverbags – mit Insassinnen der Justizanstalt Favoriten. Projektleitung: Beate Göbel. Zwei Beispiele von Kunstarbeit im Strafvollzug. Punktuell, temporär, nicht in jedem Häfen geduldet. Augustin-Frage an die Regisseurinnen: Müssten Kunstprojekte, personell und budgetär abgesichert, nicht österreichweit zum Standard des Strafvollzugs werden? Verträgt das System des staatlichen Strafens Kunst?

Mir sieht man es nicht mehr an

Briefe an den Vater

Hallo Vater!
Es ist 2 Uhr in der Früh. Ich kann nicht schlafen. In der Küche sitze ich, neben mir der Kühlschrank, wie in jeder modernen Wienerwohnung. Ich lausche dem Rauschen der Wienernacht. Die anderen sind schon eingeschlafen. Mir gehen so viele Sachen durch den Kopf. Übrigens, bei mir sind es auch am 18. März 25 Jahre geworden, seit ich in dieser Mozartstadt bin. Glaube mir, mir sieht man nicht mehr an, dass ich einer von euch bin. Ich meine äußerlich. Innerlich bin ich zwar zerteilt. Seit dem berühmten Tag führe ich auch einen Krieg gegen mich. Wer ihn gewonnen hat? Ich und nicht ich. Keiner von uns. Du hast uns damals sehr wenig erzählt, wie es denn so hier ist. Du warst gewohnt alleine zu leben. Plötzlich tauche ich in deinem Gefolge hier auf.

Schulden durch Schwarzfahren

Frau Bocks Schützlinge werden zu Opfern der Inkassobüros

Ute Bock wurde für ihr soziales Engagement schon mehrfach ausgezeichnet, doch die Krönung war bis dato eine Anzeige wegen Bandenbildung und Drogenhandels. Die Anklage wurde fallen gelassen, ihre Suspendierung als Heimleiterin aufgehoben, doch die Gemeinde Wien verbietet Ute Bock weiterhin, afrikanische AsylwerberInnen in ihrem Heim unterzubringen. Also organisiert sie private Wohngemeinschaften, die mittlerweile über 300 Menschen aus Afrika Unterkunft und Meldeadressen bieten. Christina Steinle sprach für Augustin TV mit der nimmermüden Frau Bock.

Neugierig, was als Nächstes kommt ...

Eine Alliierte für erniedrigte soziale Gruppen: Verena Krausneker

Verena Krausneker ist ein Original. Kreative Sprachwissenschaftlerin. Selbstbewusste Aktivistin gegen Rassismus. Solidarische Kämpferin für Gehörlose. Original Wienerin mit originalem Stammbaum aus Ungarn, Slowenien, Deutschland, Österreich, Tschechien und Polen. Dass die 33-Jährige heute in Wien lebt, ist vielleicht ihrer jüdischen Großmutter zuzuschreiben, die, vor den Nazis geflüchtet, später als Kommunistin nach Wien zurückkehrte, um „das Land wiederaufzubauen“. Gerade wurde Krausneker von den Grünen für ihr zivilgesellschaftliches Engagement zur „Frau des Jahres 2006“ geehrt.

Wie aus weniger mehr wird

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„Stilvoll verarmen“, lautet der Buchtitel des Bestsellers Alexander von Schönburgs. Die Botschaft: Mit weniger besser auskommen, sinnvoller leben, „ärmer“ „reicher“ werden. Das Buch ist exzellent geschrieben und trifft einen richtigen Punkt: was brauchen wir alle den Konsumramsch und den „immer mehr, aber nie genug“-Stress.
Das war`s aber auch schon. Wirklich problematisch wird es nämlich, wenn man sich anschaut, was Von Schönburg unter „Verarmen“ versteht. Statt ins teure Restaurant zu gehen, empfiehlt er selber zu Kochen. Statt übers Wochenende kurz mal nach London zu fliegen, tut´s ein Ausflug auf die nahe Wiese auch. Das Jahresabo im Fitnesstudio ist verzichtbar. Und die teure Dachbodenwohnung muss ja nicht sein, wenn man auch in einer kleineren Wohnung Freude haben kann.

Wie ein Vieh?

Eine Idee geht in Serie: Augustin wirft Augen auf die Justiz

Ich bin der Überzeugung, dass Männer gefälligst ihre Zumpferln nicht nur besser unter Kontrolle halten „sollen“, sondern müssen. Andererseits: Jemanden „Masturbationspraktiken in 10 Fällen“ vorzuwerfen, wie ein Gerichtsgutachter das tat, klingt vormodern. Notizen zu einer Verhandlung beim Obersten Gerichtshof im Wiener Justizpalast am Schmerlingplatz.

Pension ohne Frühstück

Arbeiter-Samariter-Bund als Neuling in der Obdachlosenhilfe

Die meisten WienerInnen, nehme ich an, kennen das Otto-Haus. Das größte Schutzhaus der Rax ist von der Seilbahnbergstation aus selbst mit Sandalen und Stöckelschuhen zu erreichen. Der Weg, sehr eben, gilt als die leichteste aller alpinen Familienwanderrouten. Wer hingegen das Haus Otto erklimmen will, kann leicht ins Keuchen kommen. Zumal unter den Gästen auffallend viele lädierte Körper vertreten sind –– Folgen des Straßenlebens oder der Drogensucht. Das Haus Otto, „ganz rechts oben“ im Areal des Otto-Wagner-Spitals (Baumgartner Höhe), ist nämlich eine Notschlafstelle für männliche Obdachlose.

"Ich schicke kein Kind ins Nirwana"

Norbert Ceipek kriegt von der Polizei hundert Mädchen pro Monat

Zehnjährige als Taschendiebinnen verhaftet, Vierzehnjährige um 750 Euro verkauft. Karin Hirschl und Norbert Ceipek vom Krisenzentrum „Drehscheibe“ schlagen sich mit den unmenschlichen Auswüchsen der Verarmung in Bulgarien und Rumänien herum. Doch Österreich bietet nicht viel mehr als Rückführung an.

Affront in Augenhöhe

Eine Idee geht in Serie: Augustin wirft Augen auf die Justiz

Stellen Sie sich vor, Sie fahren in Urlaub. Sagen wir nach Ibiza oder Madagaskar, nach Phuket oder Antalya. Stellen Sie sich vor: zirka alle hundert Meter, beim Einkaufen, auf dem Weg zum Strand, am Eingang zum Internetcafé finden Sie die Aufforderung „Österreicher raus!“, oder sogar: „Tötet die scampifarbigen Europäer-Maden!“ Würden Sie sich dabei sehr wohl fühlen?

Die Sachzwangsvollstreckung

Beispiel Hohenau a. d. March: Wenn eine Region die letzte Fabrik verliert

Was geschieht mit der Seele einer Marktgemeinde, die nach der Schließung der Fabrik, mit der sie bisher symbiotisch verbunden schien, endgültig zur Pendlergemeinde geworden ist? Was hat Coca-Cola damit zu tun? Und was die Raiffeisengruppe? Ist gegen die „Sachzwänge“ Globalisierung und Liberalisierung kein Kraut gewachsen? Und warum sind die jungen Familien, die hochverschuldet in der Falle ihrer kreditierten Einfamilienhäuser sitzen, hundert Kilometer vom potenziellen neuen Arbeitsplatz entfernt, kein Thema des Wirtschaftsjournalismus?

"Es geht längst nicht mehr nur um Bäume"

Eva und Murat sind die HeldInnen von Margareten

Seit 6. Jänner hat eine ansässige Bürgerinitiative den Bacherpark im 5. Bezirk besetzt. Sie will den Bau einer so genannten "Volksgarage" unter dem Park verhindern, zu deren Errichtung die AnrainerInnen nie befragt worden sind. Wer bei beträchtlichen Minusgraden für seine Überzeugung in Zelten ausharrt, sorgt sogar bei einem selbstüberzeugten Bezirksvorsteher für Irritation.

"Auch unsere Leute lachen"

Zeitungmachen als "sinnvolle" Alternative zum erzwungenen Nichtstun?

Die Straßenzeitung „Kupfermuckn“ beschreibt die Schnittstelle zwischen Randgruppensprachrohr und gesellschaftskritischem Journalismus auf virtuose Weise. Oder anders ausgedrückt: Die Kupfermuckn (Vagabundenslang für: Unterschlupf, Abbruchhaus) ist ein Sozialprojekt für und von Armut und Obdachlosigkeit Betroffene(n), von dem auch die von kritischen Zeitungen nicht gerade verwöhnte oberösterreichische LeserInnenschaft profitieren kann.

Präferenz fürs Proletarische

Gruber will die Kirche nicht den Konservativen überlassen

Und so kämpft er auch, zum Beispiel für den arbeitsfreien Sonntag, und das ohne Ruh. Der 67-jährige Betriebspfarrer aus Linz kann kaum all seine Engagements aufzählen, ohne dabei nicht das eine oder andere zu vergessen. Aber so viel weiß er: Seine Spiritualität findet er im Leben der Menschen –– im Zuhören, nicht im Predigen.

Die Wiener Verwässerung

Sozialhilfe für MigrantInnen aus Drittstaaten ist EU-Recht

Sähe die Welt so aus, wie in den Postings, die gewisse Leute ins Internet stellen, dann wäre der Untergang des Abendlandes nicht aufzuhalten. Mit Stichtag 23. Jänner 2006 hätte sich, nach Darstellung „besorgter“ Kampfposter, die sich zu SprecherInnen angeblich bedrohten Inländertums aufplustern, die rot-grüne Verschwörung mit Rückendeckung aus Brüssel wieder einmal durchgesetzt. Man denke nur: „Sozialhilfe für AusländerInnen!“
TUN & LASSEN - Thomas Soxberger - 15.02.2006 mehr lesen »

Alle 6 Minuten geht die Tür auf

Der Ganslwirt: Vom Feindbild zur Institution

Im November ist der „Ganslwirt“ 15 Jahre alt geworden. Drogenabhängige aus der Straßenszene erhalten dort Hilfe. Das Angebot reicht von warmen Essen, Spritzentausch, Beratung und ambulante Behandlung bis zu Notschlafstellen.

TUN & LASSEN - Chris Haderer - 03.02.2006 mehr lesen »

Des Gesetzes blaues Auge

Augustin beobachtet Richter (1): Die verlorene Idee der Sühne

In einem Rechtsstaat ist die Gerechtigkeit auf einem Auge blind. Das zeichnet ihn gegenüber den Diktaturen aus, wo sie zwei tote Augen hat und ihr auch noch der Blindenhund verboten ist. Wir leben in einem solchen Rechtsstaat und müssen froh darüber sein. Aber bei bestimmten Anlässen wird uns die erwähnte Sehbehinderung bewusst. Beispielsweise, wenn wir als ungeladene Zuhörer einem Strafprozess beiwohnen.

Kein Halt durch Unterhalt

eingSCHENKt

Die Plattform der Alleinerziehenden fragte nach. 17 Prozent der Frauen bekommen für ihre Kinder weder Unterhalt noch Unterhaltsvorschuss.

Vielfach muss durch immer wiederkehrende gerichtliche Klagen und Exekutionsanträge um den Unterhalt gekämpft werden. Ein emotionales Schlachtfeld. Für alle Seiten.

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Coming out des Müßiggangs

Dieter Schrage über die "Glücklichen Arbeitslosen"

In unserem Bericht von der Ersten Österreichischen Erwerbslosen-Konferenz wurde vermerkt, dass vor allem das Referat Dieter Schrages für Kontroversen sorgte. Der Kulturwissenschaftler trug seine Thesen zur Gruppe „"Die Glücklichen Arbeitslosen"“ vor. Im Folgenden die überarbeitete Fassung seines Vortrages. Über die heftigen Diskussionen nach diesem Vortrag will Dieter Schrage im nächsten Heft berichten.

Direktor wider Willen

Heribert Hrusa: vom Handschuhmacher aus Wien zum Volksbildner in Ecuador

Fast hätte Diakon Heribert Hrusa nach nur einem Jahr Missionarsdienst in Ecuador das Handtuch geschmissen. 20 Jahre später lebt er immer noch im Andenstaat. Inzwischen ist er Leiter einer Vorzeigeschule und kann sich eine Heimkehr nach Österreich kaum noch vorstellen.

Die Liga Mores gelehrt

Mit Chuzpe zum Erfolg: Der SC Hakoah Wien

Der jüdische SC Hakoah ist mit der Wiener Fußballgeschichte untrennbar verbunden. 1925 holten die Mannen mit dem Davidstern auf der Brust den österreichischen Meistertitel und wurden so zum ebenso heiß geliebten wie umfehdeten Symbol jüdischer Identität.

Bericht über eine Kontroverse

Wie glücklich sind "Glückliche Arbeitslose"?

Das letzte Augustin-Heft enthielt den Vortrag über die „Glücklichen Arbeitslosen“, den der Kulturwissenschaftler Dieter Schrage auf der Ersten Österreichischen Erwerbsarbeitslosenkonferenz (15./16. Okt. 2005) hielt. Im Folgenden geht Schrage auf die Kontroversen ein, die sein Konferenzbeitrag verursachte.

Von Wien nach Paris

eingSCHENKt

Noch einmal die Jugendkrawalle in Frankreich. Kann das bei uns auch passieren? Wenn die soziale Schere weiter auseinander geht, die Jugendarbeitslosigkeit weiter steigt, die sozialen Aufstiegs-chancen für Kinder aus sozial benachteiligten Familien sich nicht verbessern und ganze Bevölkerungsgruppen in einen Niedriglohnsektor gedrängt werden, aus dem sie nicht mehr rauskommen: ja.


»Sga« oder die Lektion der Banlieus

eingSCHENKt

Ich richte mich an meine Brüder, die am Existenzminimum leben / Wir dürfen uns nicht weiterentwickeln, weil wir schwarz sind / Du verstehst, dass mein Hass vom Schmerz genährt wird. So rapt Hip-Hopper Monsieur R. auf seinem neuen Album Politiquement Incorrect.


"Was kriegst du?" "Ka Luft!"

Sylla Alpha aus der Republik Côte d'Ivoire verkauft seit 2002 den Augustin

Soziologisch betrachtet ist die „Berufsgruppe“ der AugustinverkäuferInnen ein Wunder der Divergenz, eine Vielfaltsverdichtung, wie sie sonst nirgends vorstellbar ist. Das Spektrum reicht vom Analphabeten bis zum Akademiker. Sylla Alpha aus der Republik Côte d'Ivoire, bei uns als Elfenbeinküste bekannt, kommt mit dieser Situation gut zurecht. Dass zugewanderte Intellektuelle wie er im reichen Europa „Sandlerzeitungen“ verkaufen müssen, um zu überleben, sagt einiges über weiß-schwarze Machtverhältnisse aus. Alpha hätte also einiges zu kritisieren an den hiesigen Zuständen –doch seine Sorge gilt den Entwicklungen in seinem Heimatland.

Sechste Armutskonferenz zeigt auf: Armut ist vermeidbar

Mythen blockieren Herz und Hirn

Solange ökonomische Mythen wie "Jeder kann gewinnen, wenn er nur will", "Sozial ist nur, was Arbeit schafft" oder „"Soziales schadet der Wirtschaft"“ nicht vom Tisch sind, wird es zur keiner Verbesserung der Lebenssituation sozial Benachteiligter kommen. Auf der 6. Armutskonferenz stellten sich die fast 500 TeilnehmerInnen die Aufgabe, all die ökonomischen Märchen, die Menschen arm machen, zu entzaubern.

Ein Gespräch am Rande des Wiener Grundeinkommen-Kongresses

Die Würde des Willkommenseins

Der Unterschied war eklatant. Während der Mann bei der Schlussveranstaltung des Wiener Grundeinkommen-Kongresses von 180 Millionen BrasilianerInnen sprach, für die das Grundeinkommen geplant sei, erzählte die Frau von ihren zwei Enkelkindern, denen sie ein gutes Leben wünscht. Und natürlich redete der Mann fünfmal so lang wie die Frau. Mindestens. Der Augustin sprach während des Kongresses mit der Schweizer Theologin und Labyrinth-Denkerin Ursula Knecht-Kaiser zum Thema Geld und erfülltes Leben.

Geistige Selbstverteidigung 2

eingSCHENKt

Das Essensgeld ist noch immer nicht gezahlt. Sie kommen in der Früh hungrig in den Kindergarten. Im Winter stapfen sie mit Turnschuhen durch den Schnee. Das sind Kinder, die in knappen finanziellen Verhältnissen aufwachsen. Der Schulanfang macht große Probleme, wenn Zirkel, Hefte, Stifte, Einbände und Werksachen gekauft werden müssen. Die Eltern versuchen zuerst einmal sich selbst einzuschränken, um den Kindern weiter ein normales Leben zu ermöglichen. Das geht auch einige Zeit gut, aber nicht auf Dauer. Dann schlägt die angespannte finanzielle Situation in Armutshaushalten auch auf den Alltag der Kinder durch. Und auf ihre Zukunft.

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