Sechste Armutskonferenz zeigt auf: Armut ist vermeidbar
Mythen blockieren Herz und Hirn
Solange ökonomische Mythen wie "Jeder kann gewinnen, wenn er nur will", "Sozial ist nur, was Arbeit schafft" oder "Soziales schadet der Wirtschaft" nicht vom Tisch sind, wird es zur keiner Verbesserung der Lebenssituation sozial Benachteiligter kommen. Auf der 6. Armutskonferenz stellten sich die fast 500 TeilnehmerInnen die Aufgabe, all die ökonomischen Märchen, die Menschen arm machen, zu entzaubern.
Ein Gespräch am Rande des Wiener Grundeinkommen-Kongresses
Die Würde des Willkommenseins
Der Unterschied war eklatant. Während der Mann bei der Schlussveranstaltung des Wiener Grundeinkommen-Kongresses von 180 Millionen BrasilianerInnen sprach, für die das Grundeinkommen geplant sei, erzählte die Frau von ihren zwei Enkelkindern, denen sie ein gutes Leben wünscht. Und natürlich redete der Mann fünfmal so lang wie die Frau. Mindestens. Der Augustin sprach während des Kongresses mit der Schweizer Theologin und Labyrinth-Denkerin Ursula Knecht-Kaiser zum Thema Geld und erfülltes Leben.
Geistige Selbstverteidigung 2
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Das Essensgeld ist noch immer nicht gezahlt. Sie kommen in der Früh hungrig in den Kindergarten. Im Winter stapfen sie mit Turnschuhen durch den Schnee. Das sind Kinder, die in knappen finanziellen Verhältnissen aufwachsen. Der Schulanfang macht große Probleme, wenn Zirkel, Hefte, Stifte, Einbände und Werksachen gekauft werden müssen. Die Eltern versuchen zuerst einmal sich selbst einzuschränken, um den Kindern weiter ein normales Leben zu ermöglichen. Das geht auch einige Zeit gut, aber nicht auf Dauer. Dann schlägt die angespannte finanzielle Situation in Armutshaushalten auch auf den Alltag der Kinder durch. Und auf ihre Zukunft.
Über die hilflosen Konzepte der "Weiterbildung für Arbeitslose"
Schulung, eine Schimäre
Während arbeitslosen AkademikerInnen bei der Jobsuche ihre "Überqualifikation" zum Verhängnis wird, schwören die staatstragenden Kräfte inklusive Arbeiterkammer und Van der Bellen auf die "Weiterbildung" als Schlüssel für das Tor zurück ins Berufsleben. Die Pädagogin und Autorin Maria Wölflingseder versucht im Folgenden die These zu begründen, dass AMS-Schulungen und VHS-Erwachsenenbildung Illusionsveranstaltungen sind.
Von der Entzauberung neoliberaler Mythen
"Nulldefizit" und 28 andere Wirtschaftslügen
Als Anleitung zur geistigen Selbstverteidigung in Wirtschaftsfragen bezeichnet der Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (BEIGEWUM) sein neues Buch "Mythen der Ökonomie". Dieses Semester gibt es auch eine gleichnamige Ringvorlesung an der Universität Wien. Keine Angst: Das Wissen können sich dort auch nichtuniversitäre Menschen abholen.
"Wohin des Weges?"
Das menschliche Antlitz von Lainz: Arbeit mit Demenz-PatientInnen
Ein Kaffeehaus, eine PatientInnenküche, Signaltöne von "Autofahrer unterwegs": Im Geriatriezentrum am Wienerwald bemühen sich Menschen wie Abdulrahman Reda engagiert um die bewegungsfreudigen Demenz-PatientInnen. Gelingt ihnen das Kunststück, trotz schlechter Presse motiviert zu bleiben?
Freiheit von welcher Arbeit?
So lange übers Grundeinkommen schreiben, bis es kommt
Alle reden darüber. Auch die, die weit davon entfernt sind, sich als links zu bezeichnen. In der Neuen Zürcher Zeitung ist ebenso davon zu lesen wie in der österreichischen Presse, in den Publikationen der katholischen Sozialakademie Österreichs, in schicken Hochglanzwirtschaftsmagazinen wie brand eins und in räudigen Straßenzeitungen wie dem Augustin. Ist da plötzlich die neue Eintracht ausgebrochen, oder was?
Geistige Selbstverteidigung
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Die Initiative »Neue soziale Marktwirtschaft« bezahlt Talkgäste in Fernsehrunden, um für weniger soziale Marktwirtschaft zu werben. Ein Witz? Nein, eine Kampagne, finanziert durch große Geldgeber in Deutschland, darunter neoliberale Think-Tanks und monetaristisch ideologisierte Interessensverbände. Dieselben »Experten«, die dann in den Talkshows hocken und Zeitungen Interviews geben, werden dann praktischerweise gleich von derselben Initiative »Neue soziale Marktwirtschaft« zu »Reformern des Jahres« gekürt. Geehrt wird man zum Beispiel für Aussagen wie: »Weniger Geld für Arbeitslose« oder »Sozialhilfe kürzen« – aber am liebsten: »Weniger Steuern«.
»Die«
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Der Sündenbock ist ein wichtiges Vieh im Stall der Mächtigen. Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, wenn die sozialen Probleme zunehmen, wenn man das Ganze nicht mehr schönreden und wegreden kann, dann bleibt immer noch eins: man öffnet die Stalltür und reitet den Sündenbock.
Schon 163 Privathäfen in den USA
Das globale Geschäft mit dem Verbrechen (1)
Würden in Österreich so viele Menschen wie in den USA eingesperrt werden, wären derzeit nicht 9.060, sondern 57.000 Personen hinter Gittern. Viele davon in Knästen privater Unternehmungen. Denn wäre der Neoliberalismus hier schon ausgereift wie drüben, gäbe es in Österreich bereits etliche Privatgefängnisse ...
neunerHaus Nummer 2: Obdachlose finden in Döbling zur inneren Ruhe
Unkonventionelle Liberalität
Der Verein neunerHaus eröffnete am 5. September feierlich sein zweites Haus. Hausleiter Johannes Lorenz und Geschäftsführer Markus Reiter führten den Augustin durch die billige, aber mitnichten grindige Absteige für Männer in akuter Wohnungslosigkeit.
Schweinerei: Die am meisten haben, zahlen am wenigsten
Eine kleine Verteilungs-Geschichte
Niemand zahlt gerne Steuern. Der Skandal ist aber, dass jene, die am meisten haben, am wenigsten zahlen. Fair steuern heißt die Kampagne für mehr Steuergerechtigkeit, die Attac – halb Bewegung, halb Organisation, jedenfalls eine der außerparlamentarischen und weltweit vernetzten Widerstandsherde gegen die Zustände – begonnen hat (www.attac.at). Fair steuern ist im Prinzip machbar, zeigt der folgende Attac-Beitrag.
Vor der Wende waren sie "Lumpenproleten" und "Arbeitsscheue"
Die Geächteten von "Fedel nelkül"
In Ungarn gibt es seit der Wende in der Politik neue Gruppen von Obdachlosigkeit Betroffener. In der Budapester Straßenzeitung Fedel nelkül / Ohne Dach schreiben ausnahmslos Obdachlose, deren Texte von einer Jury ausgesucht und mit Preisen bedacht werden.
"Schule ohne Angst": 25 Jahre SchülerInnenschule im WUK
Bis zur Achten ohne Noten
So menschlich könnte Schule sein: Im WUK, dem Werkstätten- und Kulturhaus in der Währinger Straße, haben die Grundprinzipien der alternativen Schule überlebt. Der Augustin besuchte die außergewöhnliche Einrichtung und fand: Respekt zwischen SchülerInnen und LehrerInnen scheint in dieser Schule keine hohle Phrase zu sein. Und die Lust am Lernen scheint hier nicht verloren zu gehen.
Das globale Geschäft mit dem Verbrechen (1)
Die Zelle und der Markt
Wenn sich der Neoliberalismus mit dem Konservativismus verbandelt, führt das auf dem Feld des Strafvollzugs zu explodierenden Häftlingszahlen und zur Übertragung des Gefängniswesens an die Privatwirtschaft. Ersteres passiert in Österreich seit der blauschwarzen Wende, Letzteres gewinnt – zunächst nur als Idee – auch hierzulande Anhänger. Deren Vorbild sind die USA: 163 privat gemanagte Knäste gibt es dort bereits. Marktführer unter den Gefängnisfirmen ist die Correctional Corporation of America (CCA). Unser Autor Hansjörg Schlechter, der als Sozialarbeiter in der Straffälligenhilfe tätig ist, beschreibt in diesem zweiteiligen Text (Teil 1 erschien in Ausgabe Nr. 165) die Auswüchse des privaten Gefängnismarktes.
Seit 10 Jahren für einen Journalismus des Unspektakulären
Den Leuten Mut zum Schreiben machen?
Begeistert war er überhaupt nicht, von der Idee eines Interviews im Augustin. Aber der Augustin ist ja schließlich kein autoritär geführter Betrieb. Dort entscheidet nicht das Diktat des Einzelnen, sondern das des Plenums – und das genehmigte das Unterfangen. Ein Gespräch mit dem Redakteur und Zeitungsgründer Robert Sommer anlässlich 10 Jahre Augustin.
Acht gute Gründe, die Sozialhilfe zu reformieren
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Immer mehr Menschen fallen in die Sozialhilfe. Die Gründe: zunehmende Zahl an Jobs, die so gering entlohnt sind, dass davon unmöglich eine Familie leben kann, gestiegene Lebenshaltungskosten bei Wohnen und Energie, nicht Existenz sichernde Arbeitslosen- und Notstandshilfeleistungen, nicht ausreichende Pensionen und generell das Auseinanderdriften der Einkommen zwischen oben und unten.
Bloß krank
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Menschen, die kein sozialversicherungspflichtiges Einkommen haben, länger arbeitslos sind, keine Pension kriegen, weil Pensionszeiten nicht ausreichen, bekommen von der Sozialhilfe "Krankenhilfe", -und damit auch keine E-Card. Das sind Zehntausende, 2002 geschätzte 20000, jetzt werden es aufgrund des Anstiegs der SozialhilfebezieherInnen mehr sein. Einbezogen sind da noch gar nicht die 100 000 ohne Krankenversicherung, die eine Studie im Auftrag des Gesundheitsministeriums feststellte.
Der letzte Sommer der freien Liebe (1)
Tu, felix Austria, nube!
Wer möchte nicht gerne manchmal das Herz schweifen lassen, unerwarteter als ein Komet auftauchen und einem ganz fremden Menschen ein großes Glück in den Schoß werfen? Ein Geliebtwerden oder eine Aufenthaltserlaubnis z. B.? Doch die Novellierung des Fremdengesetzes möchte das bestrafen. Verbandeln darf man sich nur, mit wem man wohnt und beiwohnt. Wer möchte sich so was verbieten lassen?
Ohne Franz Sedlak wäre die Obdachlosenhilfe in Wien einfallsloser
Arbeit ohne Winkelzüge
Zuerst war er Elektriker. Dann elektrisierte ihn das soziale Thema. Er zählt zu den MitbegründerInnen des WUK. Er löste die ARGE Nichtsesshaftenhilfe, deren Obmann er nach wie vor ist, aus dem Rahmen der Caritas. Er leitet heute ein Beschäftigungsprojekt für Exhäftlinge. Er unterrichtet zukünftige SozialarbeiterInnen. Gerne würde er sie wieder etwas aufmüpfiger sehen. Aber er weiß auch, dass die herrschende soziale und ökonomische Lage den aufrechten Gang nicht befördert. Der Augustin bat Franz Sedlak vors Mikrofon.
Das Schweigen der Jenischen.
Meister der Unauffälligkeit
Franz K., Gemeindebediensteter im niederösterreichischen Loosdorf, hatte sein Erweckungserlebnis als Jenischer im Urlaub in Oberitalien. Auf einem Straßenmarkt in einer Kleinstadt kam er mit einem italienischen Händler ins Gespräch. Erst nach einer Viertelstunde intensiver Verhandlungen und durchaus gelungener Kommunikation stellte Franz K. mit einigem Erstaunen fest, dass er ja kein Wort Italienisch könne und sein Gesprächspartner kein Deutsch. Trotzdem hatte die Verständigung ganz prächtig geklappt, ohne dass man Hände oder Füße, also Gestik und Pantomimik zu Hilfe nehmen hätte müssen.
Mittelstandsleiche
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Von den in Lissabon beschlossenen politischen Prioritäten »Wachstum«, »Arbeitsplätze«, »sozialer Zusammenhalt« wurde Letzteres beim EU-Frühjahrsgipfel im März von den nationalen Regierungschefs – nicht von »bösen Bürokraten« in Brüssel – gestrichen. Sozialer Ausgleich hat damit keine Priorität in Europa.
Nix
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Zuerst mussten wir alle sparen. Sparen.Sparen.Sparen. Für morgen in erster Linie und für heute in zweiter. Denn damit wir uns das Morgen noch leisten können, müssen wir im Heute bescheidener werden, hieß es. Wir sparen das Jetzt gegen die Zukunft. Sparen hieß Einsparen: Sparpakete und Nulldefizit und Maastricht-Kriterien.
Jetzt sollen wir aber Kaufen. Kaufen.Kaufen.Kaufen. Wir sollen quasi das ausgeben, was wir seit dem Einsparen nicht mehr haben. Angst-Sparen schwächt die Wirtschaft, sagen die, die gerade noch zum Sparen aufriefen. Ganz entrüstet sagt der Herr Chefredakteur und der Herr Finanzminister: Da sparen wir bei Sozialem, Gesundheit und Pensionen ein und die danken das mit Kaufschwäche!
Harald Krassnitzer als Augustin-Kolporteur
Die Erfahrung des Restlessens
Auch als Eintags-Augustin-Verkäufer hatte der Schauspieler Harald Krassnitzer Erfolg. Der drückte sich nicht in TV-Quoten, sondern in einem überdurchschnittlichen Zeitungsabsatz aus. Das Vorhaben, seine Popularität für eine PR-Aktion zugunsten der Straßenzeitung einzusetzen, geriet nebenbei zu einer soziologischen Feldforschung über die Verbreitung des Nicht-in-die-Augen-schauen-Könnens. Alexandra Reisinger, Hubsi Kramer und Fotograf Mario Lang begleiteten den durch die Wiener Innenstadt streichenden Wahlsandler.
Harald Krassnitzer als Augustin-Kolporteur (2)
Nach ganz fest kommt ganz lose
In der geplanten ORF-Fernsehserie Der Winzerkönig wird er einmal mehr als Held zu bewundern sein. Mit vollen Hosen ist gut stinken, sagte sich Harald Krassnitzer und schlüpfte eines Abends in der Wiener Innenstadt in die Rolle des Augustinverkäufers. Der deftige Aphorismus bedeutet: Wer in der Öffentlichkeit steht, wird weniger überhört. Ein Mensch der Öffentlichkeit signalisierte öffentlich seine Sympathie für das Augustin-Projekt. Im Folgenden die Fortsetzung des Gesprächs mit dem Schauspieler, das aus diesem Anlass geführt wurde.
Rudolf Prikryl, der 3-Tage-Bürgermeister von Wien
Noch als Leich´ gescheitert
Herr Bürgermeister, ich hätte gern das Flotten-Kino. Nichts dagegen. Bitte nehmen Sies! Oder: Ich bevollmächtige Sie, den Betrieb Sowieso aufzusperren. So ähnlich liefen die Amtsgespräche ab in jenen drei Apriltagen des Jahres 1945, die als Wiens kuriosesete Bürgermeisteramtsperiode gelten. Über das patscherte Leben des Installateurs Rudolf Prikryl, der drei Tage lang dem rätselhaften Drang, Verantwortung zu übernehmen, nachgab und es nicht verdient, in diesem Gedenkjahr ignoriert zu werden
Standortnationalismus
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Wenn sich Nationalstaaten auf Steuerdumping einlassen, verlieren alle. Salzburg wirbt Bayern einen Konzern ab, darauf senkt Bayern die Steuern und Bayern wirbt wieder Salzburg einen Konzern ab, worauf die Slowakei noch weiter runterfährt, um den nächsten abzuwerben.
Parallelgesellschaft
eingSCHENKt
Der Typ Sozialstaat österreichischer wie auch deutscher Prägung schafft es nicht - trotz insgesamt guter sozialer Sicherung-, die Aufstiegschancen einkommensschwächerer SchülerInnen zu verbessern. Wie ein Fahrstuhl („Fahrstuhleffekt“ © Soziologe Ulrich Beck) wird die Gesellschaft in die Höhe gefahren, was auch die unteren Schichten zu höherem Lebensstandard führt, die Unterschiede aber relativ konstant und die soziale Durchlässigkeit relativ gering belässt.
Österreich ist ein Auswanderungsland (1)
"Leck meine Stiefel, Sklave!"
Wer Mensch geblieben ist in diesen rohen Zeiten, erlebt Momente, in denen er seine Sachen packen und auswandern möchte, wenn ihm menschlichere Zonen auf diesem Planeten einfielen. Doch der Herr Dr. Bukasa bleibt ja auch in Wien – und warum sollte man ihn allein zurücklassen in dieser Stadt, die Fremden zunehmend Furcht bereitet und die letzten Reste ihrer Gastfreundschaft zu verlieren scheint ...
Afrikaner als Informationsquelle "nur eingeschränkt relevant"
Besten Gruß, Peter Rabl
Der einzige mildernde Umstand, der zugunsten des KURIER und seines Chefredakteurs konstruiert werden könnte, ist der Fakt, dass auch andere Medien Null Interesse an dem Überfall auf den schwarzen Menschenrechtsaktivsten Dr. Bukasa zeigten. Als erschwerend muss dagegen der Zynismusgehalt des Schreibens bewertet werden, mit dem Peter Rabl sein Versagen legitimiert und seine Kritiker zu Extremisten erklärt. Aber der Reihe nach:
Österreich ist ein Auswanderungsland (2)
Sie und Ihresgleichen...
sollen sich eher mit dem kriminellen Phänomen, dass der Suchtgifthandel offensichtlich zu einem beträchtlichen Teil von Afrikanern besorgt wird, auseinander setzen und weniger mit der Berichterstattung darüber, maßt sich Kurier-Herausgeber Rabl an, den Mensch-enrechtsaktivist Inou abzukanzeln, wie der »Massa« den »Boy«.
Ein Leben für die Beladenen dieser Welt – Evamarie Kallir
"Hab´ menschliche Monokulturen nie gemocht"
Sie hätte die Galerie nächst St. Stephan übernehmen sollen. Stattdessen engagierte sie sich für die SOS-Kinderdörfer und für das Wiener Regenbogenhaus und gibt Flüchtlingen Deutsch-Unterricht. Ein Gespräch mit Evamarie Kallir, die 1938 als 12-jähriges Mädchen nach Amerika flüchten musste, über ihre Rückkehr, über fließende Grenzen und die Verweigerung des Materiellen.
Gespaltenes Leben
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Je stärker die soziale Spaltung in einer Gesellschaft, desto stärker kann man den sozialen Status einer Person am Zustand der Zähne ablesen. Denen ist das Lachen vergangen. Genieren sich einfach mit kaputten Zähnen den Mund aufzumachen. Das ist auch eine Möglichkeit Menschen zum Schweigen zu bringen. „Wie soll ich mir den Zahnersatz leisten?“, fragen Betroffene in den Beratungsstellen. Die Krankenkasse zahlt auch immer weniger.
Aus den "Beschäftigungsprojekten der organisierten Kriminalität" in die Gefängniszelle
Staat bietet Schmalz statt Jobs
Menschen aus verarmten Länden werden bei uns in die Arme von "Sozial- und Beschäftigungsprojekten der organisierten Kriminalität" getrieben. Denn der Staat lässt sie nicht regulär arbeiten – und an Projekten nach Art des Augustin, die Überlebenschancen außerhalb der Kriminalität bieten, herrscht großer Mangel. Über diese und weitere Ursachen der Überfüllung der österreichischen Gefängnisse und über Alternativen zur Haft (wienerisch: zum Schmalz) sprach Augustin-Sozialexperte Martin Schenk mit Dr. Arno Pilgram, Leiter des Wiener Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie.
Sie tun, was kaum wer tut, am wenigsten der, der es tun müsste
Mit ZARA verschwände die Kontrolle von unten
ZARA ist die Abkürzung für Zivilcourage und Antirassismus-Arbeit. Als Beratungsstelle für Einzelpersonen, die ZeugInnen oder Opfer rassistischer Vorfälle wurden, ist ZARA einzigartig in Österreich. Ihr jährlicher Rassismusreport ist für alle, die an einer ungeschminkten Darstellung soziologischer Realitäten interessiert sind, eine Pflichtlektüre. Verena Krausneker und Dieter Schindlauer vom ZARA-Vorstand berichteten dem Augustin, wie sehr der Staat zivilgesellschaftliche Anstrengungen in diesem Bereich ignoriert. ZARA steht wieder einmal vor dem Aus.
Mythen beinhart
eingSCHENKt
Aus der Ferne sieht man vieles klarer. George Bush nennt das Pensionssystem der USA „bankrott“. Deshalb sollen die US-BürgerInnen ein Drittel ihrer Beiträge ab jetzt an der Wallstreet in Aktien anlegen. Das bringt keine festen Leistungszusagen mehr und Einbußen bis zu 40 Prozent für den/die Durchschnitts-Pensionisten/in. Nur: Das US-Pensionssystem macht derzeit 1,5 Billionen Dollar Überschüsse. Das hindert Bush nicht daran, vom Pensionsnetz, „das nicht mehr finanzierbar ist“ zu sprechen. Aus der Ferne sieht man: Um Pensionen zu kürzen, braucht man keine harten Facts, sondern die Herrschaft über die Köpfe.
Vom Untertan zum Kunden?
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Kunde sein ist fein, wenn man Geld hat. Wenn man aussuchen kann, abschlagen kann, informiert ist. Wer aber nicht die Freiheit hat, mit Geld sich auszusuchen, was man will, abzuschlagen, was man nicht will, und alle Informationen einzusehen, die man braucht, dort ist Kundesein nicht fair. Je weniger Geld ich habe und je stärker meine Abhängigkeit in der Dienstleistungs-Beziehung, desto problematischer wird der Kundenbegriff.
Verrohte Uniformierte
Die Sprache der amtlichen Handschellen ist derb, aber deutlich
Der Augustin ist längst (auch) zur Westerweiterung der osteuropäischen VerliererInnengemeinschaft geworden. Jozef Katona ist einer der zahlreichen slowakischen VerkäuferInnen der Wiener Straßenzeitung (viele davon sind Roma). Wir kennen Jozef also und wissen, dass seine Geschichte nicht erfunden ist. Es ist eine schreckliche Geschichte, die zeigt, wie weit die Verrohung in unserem Land gediehen ist, wenn es um Armuts-MigrantInnen geht. Wir würden gerne wissen, wie viele solcher Geschichten unprotokolliert bleiben.
Die Shopping-Mall vom Schöpfwerk
Alles zum sensationellen Preis von null Euro und null Cent
Architektur zum Verlaufen, angenehme Öffnungszeiten, kompetente Beratung, großes Warensortiment vom Kühlschrank bis zum Kinderwagen, Café im Geschäfts-Lokal, stilgerechte Anreise in einem straßenbahnartigen Verkehrsmittel
Auf den ersten Blick sind die Unterschiede zum Shopping-Chaos Süd nicht zu erkennen, aber bevor Sie Ihre Kreditkarte einpacken und losfahren, lesen Sie das Kleingedruckte!
Der Kriminalsoziologe Dr. Arno Pilgram im Augustin-Gespräch ? Teil 1
Als Erstes den Strafvollzug für Jugendliche abschaffen ...
Dr. Arno Pilgram, Leiter des Wiener Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie, sprach mit dem Sozialexperten Martin Schenk über die Gründe der Explosion der Häftlingszahlen und über die Inaktivität der österreichischen Rechtspolitik. Das Gespräch ist eine Aufzeichnung eines Interviews für Radio Augustin.
Wer sind Sie?
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„Können Sie sich ausweisen?“
„Ja, ich hab eh meine Kreditkarte dabei.“
In den USA hat die Kreditkarte den Personalausweis abgelöst. Kreditwürdigkeit als Identitätsnachweis. Viele haben mehrere solcher kleinen Kärtchen, je nachdem, welche gerade überzogen ist, muss man die andere zücken, um noch bezahlen zu können.
Kopftuch, pfiffig umgemodelt
Ignoranz bedeutet, den Anderen aus dem Blickfeld zu verdrängen
Die Wirtschaftswissenschafterin und Lehrerin für Religion und Rechnungswesen Gülmihri Aytac übersetzte Friederike Mayröcker ins Türkische und gab das Buch „so gehe ich tag und nacht. 13 texte nach veysel“ heraus. Fragen beantwortet sie kurz und bündig. Z. B. nach der in den Medien sehr beliebten Unterdrückung der Frau im Islam: „Frauenunterdrückung gibt es überall. Es ist nicht einmal so sehr deswegen, weil Männer Frauen unterdrücken, sondern weil der Stärkere den Schwachen unterdrückt. Und Frauen befinden sich zumeist in der schwächeren Position“, sagt sie im Augustin-Gespräch.
Alles bleibt anders
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Der Sozialbericht wurde präsentiert. Darin sind die jeweils aktuellen Daten über Armut und Einkommen enthalten. Stehen dort schwarz auf weiß und trotzdem wird verharmlost und verdrängt. Oder gerade deswegen. Is’ eh alles super! Wir machen, was wir können! Net jammern, sondern zufrieden sein! Keep smiling!
Zusammengegeneinanderlebenmüssen
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„Integration ist ein Prozess der wechselseitigen Anpassung und Veränderung zwischen einer aufnehmenden und einer aufzunehmenden Gruppe“ (Rainer Bauböck).: „Während MigrantInnen vor allem auf individueller Ebene große Anpassungsleistungen erbringen müssen, fällt der Aufnahmegesellschaft die Aufgabe zu, die politischen, rechtlichen und kulturellen Institutionen so umzugestalten, dass aus Fremden gleichberechtigte Bürger werden.“
Schlachtruf
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Die Schauspieler Albert Fortell und Barbara Wussov bezogen zwischen ihren Drehs Notstandshilfe. Was eine große Empörung auslöste, weil viele wissen, wie schwierig es ist, Notstandshilfe zu bekommen: Partneranrechnung, jeden Job annehmen, alle Einkommen angeben etc. Und wenn man Notstandshilfe bezieht, dann ist das für die meisten ein Hungereinkommen. Die durchschnittliche Notstandshilfe von Frauen liegt bei 475.-€. Viele haben weniger als 200 €.
ZARA-Kolumne "Geht´s mich was an?"
AusländerInnen? AsylwerberInnen? Arme Hascherln?
Fast 800 Fälle von Rassismus hat ZARA im Jahr 2004 dokumentiert. Hunderte von Menschen haben sich also an ZARA gewandt. Wie soll man sich die durchschnittliche Person vorstellen, die sich an die Beratungsstelle für Opfer und ZeugInnen wendet? Trauriger, schwarzer Asylwerber? Arme, ungebildete Migrantin? Unterdrückte Kopftuch tragende Muslima? Religiöser bärtiger Jude? Schokoladebraunes Volksschulkind? Solche und ähnliche stereotypen Bilder haben die meisten Leute, wenn sie Opfer von Rassismus hören.
"Klub jüdischer Gastarbeiter" blieb Episode
Der Wiederaufbau des Ottakringer Settlements nach 1945
Von London aus verbreitete sich vor 100 Jahren die Idee der „Settlements“ – Nachbarschaftszentren in Armenvierteln – auch nach Wien. Zwischen Jahrhundertwende und Zwischenkriegszeit, siehe Ausgabe Nr. 149, fungierte das Ottakringer Settlement als eine Art frühe NGO für Obdachlose und andere VerliererInnen. Die Folgegeschichte in Nr. 150 behandelte die Demontage des Sozialprojekts durch die Nazis. Um den Wiederaufbau nach dem Krieg und das endgültige Aus geht es im dritten Teil der Dokumentation.
Die Folgen der Diktatur für ein Sozialprojekt und seine Menschen
So starb das Settlement
Von London aus verbreitete sich die Idee der „Settlements“ – Nachbarschaftszentren in Armenvierteln – auch nach Wien. Zwischen Jahrhundertwende und Zwischenkriegszeit, siehe Ausgabe Nr. 149, fungierte das Ottakringer Settlements als eine Art frühe NGO, wie wir heute sagen würden, für Obdachlose und andere VerliererInnen. Der Folgetext behandelt die Demontage des Sozialprojekts durch die Nazis.
Zur Geschichte eines frühen internationalen Sozialprojekts
Das Ottakringer Settlement
„Else, ich habe dir aus England etwas mitgebracht, das musst du machen.“ So erinnerte sich Else Federn Mitte der 30er Jahre, anlässlich des Todes ihrer Freundin Marie Lang (1858-1934), an ihre erste Bekanntschaft mit der Settlement-Idee im Jahr 1898. Marie Lang hatte als Vertreterin des Allgemeinen Österreichischen Frauenvereins, der frühen Wiener Feministinnen, an einem Kongress in London teilgenommen und dort die Einrichtung der Settlements kennen gelernt.