Quereinstieg zur rechten Zeit

20 Jahre Augustin: «Sauschlachten», das dritte

article_2967_theater_180.jpg Die Wucht des Applauses lässt die noch etwas schüchterne Theatercrew des Augustin ein wenig desperat aussehen, so viel Zustimmung war noch nie – gut, dass die Laiendarsteller_innen, die eben noch eine große faschistelnde Bauernfamilie gespielt haben, einen Happen des Applauses an ein neues Gesicht in der Crew weiterreichen können. Karoline Hartel nimmt ihn gerne an, denn sie ahnt, dass ihr und dem 11% K.Theater mit Peter Turrinis «Sauschlachten» ein großer Wurf gelungen ist. Sie ahnte es; nach dem Gespräch mit Turrini (der, wie berichtet, überraschend zur Premiere nach Wien gekommen war) w e i ß sie es auch. Denn der Schriftsteller hatte ihr in einem Gespräch nach dem Premiereerfolg gesagt, die Augustin-Truppe habe sein Stück von Grund auf verstanden. «Gibt´s eine größere Auszeichnung für Laien als so eine Würdigung durch einen lebenden österreichischen Schriftsteller?», freut sich die Quereinsteigerin in das augustinische Theaterprojekt.
Robert Sommer / 03.03.2015
Der Quereinstieg hat eine Vorgeschichte. Karoline Hartel studierte Theaterwissenschaften und hatte Gelegenheit, in der Studienzeit ein paar Sachen zu inszenieren. Regie zu führen ist in der dramatischen Kunst das Genre, das sie am liebsten hat. In ihrem aktuellen Job, als Assistentin der «Stadtsaal»-Geschäftsführung, ist sie freilich sehr weit von der Regie entfernt. Kurz entschlossen rief sie beim Augustin an. «Braucht ihr Hilfe fürs Theater?» Sie wusste nicht, dass ihr Angebot zur rechten Zeit kam, denn für das ambitionierte Projekt Sauschlachten – eine Herausforderung für die Crew, die bisher nie Texte auswendig lernen musste – waren Anregungen von außen willkommen. Als sie kam, war das Stück schon vereinbart; Karoline Hartel gefiel die Gesellschaftskritik, die Turrini in den Text versenkt hatte. Das Stück «Sauschlachten» sei für sie ein Schrei nach einer Gesellschaft, in der «Andersartige» ihr Anderssein ganz ohne Angst leben könnten.

Die Kollektivität der Entscheidungen ist etwas, was sie sehr am Theaterprojekt des Augustin schätzt. Karoline wünscht sich zweierlei: dass die Theatergruppe in Wien nicht unbekannt bleibt; und dass sie in Zukunft vielleicht den Herrn Nestroy in ihre Überlegungen einbezieht. «Die Augustin-Theaterleute haben, ohne je lächerlich zu wirken, den nötigen Witz, um Nestroy gerecht zu werden», meint das jüngste und frischeste Mitglied der Bühnenabteilung innerhalb des Gesamtkunstwerks namens Augustin.

R. S.


Nächste Vorführung:
Sa, 21. März 2015, 19.30 Uhr
Ort: Werkl im Goethehof, Schüttaustraße 1/6/R02, 1220 Wien

Robert Sommer / 03.03.2015