Witzfigur, Heldin, Projektionsfläche: Die jüdische Mutter auf der Kabarettbühne

«Meine Mutter schenkte mir zwei Blusen. Als ich das nächste Mal zu ihr auf Besuch fahre, beschließe ich: Ich ziehe eine der Blusen an, das wird sie freuen. Meine Mutter öffnet die Tür und sieht mich von oben bis unten an: ‹Schön, dass du die Bluse trägst!›, ruft sie aus: ‹Und die andere hat dir nicht gefallen?›»
Lisa Bolyos / 10.04.2017
So oder so ähnlich erzählt Jenny Simanowitz aus ihrem Leben: Aufgewachsen in einer säkularen jüdischen Familie in Südafrika verlässt sie das Land, dessen Apartheidsystem ihr zuwider ist. Sie geht nach London, wo die zweite Frauenbewegung Befreiung verspricht – und dann nach Wien, wo dem Jüdischsein mit einer Melange aus Neugier und Desinteresse, Schuldgefühlen und Abwehr begegnet wird.
In ihrer Bühnenshow «Who’s Afraid of the Jewish Mother?» bohrt Simanowitz ihren Finger nicht nur in die Wunde der postnazistischen Gesellschaft, die beim Wort «Jüdin» schamesrot wird; sie stichelt in allen möglichen Gefilden der fremdenfeindlichen Peinlichkeiten und watscht das ganz alltägliche Patriarchat mit ihren Witzen ab. «Zum Beispiel damals, als es unter den Freundinnen en vogue war, sich junge Liebhaber zuzulegen. Und dann standen alle auf der gleichen Party rum, und ich sagte zu meinem Partner …» Mehr davon abwechselnd auf Englisch und Deutsch live auf den Bühnen und in den Kaffeehäusern Wiens!


Premiere: 24. April (Deutsch), 20 Uhr
Atelier Theater, 7., Burggasse 71

Weitere Termine: 3. Mai (deutsch) und 8. Mai (englisch)
Cafe Korb Art Lounge,
1., Brandstätte/Tuchlauben
Reservierung: office@happybusiness.at

Lisa Bolyos / 10.04.2017